Hunting high and low – vier schottische Single Malts im Vergleich

Heute haben wir wieder einen kleinen aber dafür sehr feinen Gastbeitrag von unserem Kollegen Dagger für euch…

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Gegenstand der heutigen Verkostung ist eine kleine Süd-Nord-Expedition durch die schottische Whiskey-Landschaft. Aus der Whiskyregion Lowlands steht der Auchentoshan Three Wood auf dem Prüfstand, aus den eher südlichen Highlands steuern Aberfeldy und Tullibardine zwei Proben bei und zuletzt geht es ganz weit hinauf auf die Orkney Inseln, wo wir einen exklusiven Tropfen aus dem Hause Highland Park unter die Lupe nehmen. Die Reihenfolge der Verkostung richtet sich nun nicht nach der geografischen Lage der einzelnen Destillen, sondern bei den ersten drei Abfüllungen nach dem Alkoholgehalt. Der einzig rauchige Whisky, nämlich der Highland Park, bildet dann das Schlusslicht.

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Wir beginnen mit dem Aberfeldy 18, der mit moderaten 40% Vol. abgefüllt wurde. Dem Etikett auf der stattlichen 1-Liter-Flasche ist noch zu entnehmen, dass es sich hier um eine limitierte Auflage handelt. Genauere Angaben, wie eine Auflagenzahl, findet man allerdings nicht, dafür aber die etwas wage Beschreibung, dass der Whisky in Eichenfässern gelagert wurde und das für eben mindestens 18 Jahre. Farblich besticht der Aberfeldy 18 durch eine schöne Bernstein-Tönung, wobei hier mit Farbstoff etwas nachgeholfen wurde, und eröffnet mit einem angenehm würzig-süßlichen Aroma, das Erinnerungen an Waldkräuter weckt. Geschmacklich ist der Highland-Whisky weit weniger honig-süß, als sein fast schon sirupartiger 12-jähriger Bruder. Da kommt nämlich die lange Reifezeit in Eichenfässern – vermutlich vorwiegend Ex-Bourbon-Fässer – mit einer zarten und angenehmen Note von Bittermandel durch. Sprittige oder gar alkoholisch scharfe Beigeschmacke wurden durch die lange Reifezeit gänzlich getilgt, sodass wir es hier mit einem weichen und voluminösen, aber auch nicht sonderlich komplexen Single Malt zu tun haben, dem man einen mittellangen Abgang bescheinigen kann. Da sich die Flasche schon eine ganze Weile in meinem Besitz befindet und die Abfüllung wohl tatsächlich in irgendeiner Weise limitiert war, findet man den Aberfeldy 18 (zumindest gegenwärtig) nicht mehr in jedem Handelshaus und dort wo er noch zu kriegen ist, liegt der Preis bei mittlerweile 80 Talern und höher.

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Nächste Haltestation sind die Lowlands. Die dunkle, rot schimmernde Farbe des Auchentoshan Three Wood macht schon beim Betrachten richtig durstig. Zu schade, dass auch hier wieder der Farbstoff Zuckerkulör mit drin. Der Name Three Wood stammt von der Reifung in drei verschiedenen Fassarten, nämlich in amerikanischen Boubon-, spanischen Oloroso und zuletzt noch Pedro Ximenez Sherry-Fässern. Das Destillat mit seinen 43% Vol. Alkohol besitzt keine Altersangabe, dürfte es aber dennoch auf gute 12 Jahre im Holz bringen. Zumindest kann man im Shop von Horst Lüning nachlesen, dass der Tropfen zunächst zehn Jahre im Bourbon-, dann noch mal zwei im Oloroso- und zuletzt sechs Monate im PX Sherryfass verweilte. Schon in der Nase lassen sich massive Fruchtnoten ausmachen – der Sherry-Einfluss ist sofort präsent. Hinsichtlich des Geschmackserlebnisses verspricht das Etikett Früchte, Schokolade und geröstete Haselnuss. Was man dann bekommt geht im Grunde genommen sogar noch darüber hinaus. Wirklich reichhaltig, komplex und ausgesprochen trocken kommt der Three Wood daher. Dunkle Früchte, Gewürze, eine leichte Süße und mit etwas Fantasie auch dunkle Schokolade werden von einer feinen Eichennote getragen. Die versprochenen nussigen Noten finden sich schließlich im lang anhaltenden Abgang. Für Fans von Sherry-tönigen Whiskys gehört der Auchentoshan Three Wood sicherlich zum Pflichtprogramm, besticht er doch neben seinem vollmundigen Charakter eben auch mit der typischen Weichheit eines Lowland-Whiskys, welche der Dreifach-Destillation geschuldet ist. Preislich liegt er bei +/- 40 Euro, von denen er auch jeden Cent wert ist.

Wir kommen nun zur Destillerie Tullibardine und schauen uns hier die Sonderedition Port Cask Finish, distilled 2006 / bottled 2018, ein wenig genauer an. Die Abfüllung stammt aus Tullibardines Marquess-Kollektion und wurde exklusiv für whisky.de in 5000 Flaschen abgefüllt. Mit 46% Vol. ist dieser Whisky der stärkste in der heutigen Verkostungsreihe und der erste, der auch ohne Farbstoff auskommt. Er ist daher etwas heller als die beiden zuvor verkosteten, der schöne Rosé-Schimmer macht aber definitiv neugierig darauf, was einen hier erwartet. Beim Nosing wirkt der Tullibardine frisch und süßlich-fruchtig und kommt bei weitem nicht so massiv daher, wie eben der Auchentoshan. Der etwas höhere Alkoholgehalt verrät sich durch ein leichtes Kitzeln in der Nase. Geschmacklich hat das für die Nachreifung verwendete Portweinfass dem Tropfen einen deutlichen Stempel aufgedrückt und beschert ihm einen fruchtig-würzigen Geschmack mit spürbarem Eicheneinschlag. Mit einem ordentlichen Abgang ausgestattet ist dieser Highlander nicht ganz so komplex wie der Auchentoshan. Dazu kommt, dass diese Edition mit etwa 50 Euro Warenwert auch schon nicht mehr ganz so günstig ist. Im Zweifelsfall würde ich daher eher zum knapp 20 Euro günstigeren Burgundy Finish aus der Core-Range von Tullibardine greifen, der dem Port Wood Finish trotz fehlender Altersangabe locker das Wasser reichen kann.

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Wir kommen auch schon zum letzten Destillat auf unserer heutigen Liste. Ganz oben, im Norden Schottlands, und zwar auf Orkney, sitzt die namhafte Brennerei Highland Park, von der wir uns heute eine exklusivere Abfüllung genehmigen. Wie eben der Tullibardine, kommt auch der Highland Park 18 ohne Farbstoff aus. Die lange Zeit im Fass hat dem Whisky aber dennoch eine dunkle gold- bis bernsteintönige Farbe verliehen. Der Alkoholgehalt bewegt sich mit 43% Vol. im Bereich des Standards. In der Nase vernimmt man leichten Rauch, aber auch eine fruchtige Süße, bedingt durch die bei Highland Park übliche Nachreifung in Sherryfässern. Überraschen kann der Whisky beim Tasting, da er hier deutlich stärkere Torfrauchnoten präsentiert, als man es nach dem Nosing erwartet hätte. Dagegen tritt der Sherry-Einfluss eher in den Hintergrund und liefert nur eine leichte fruchtige Süße. Auch die Eiche hält sich dezent zurück, was diesen Tropfen aber auszeichnet ist sein weicher und harmonischer Charakter fernab von medizinischen oder phenoligen Noten, die manch anderer stark rauchiger Whisky so mit sich bringt. Die Flasche stand schon längere Zeit bei mir im Regal, ehe ich sie geöffnet habe. Mittlerweile hat Highland Park das Design seines Sortiments überarbeitet, sodass nun auch der Highland Park 18 im spektakulären Viking-Pride-Design standartmäßig erhältlich ist. Wenn man mal auf die Internetseite von Highland Park schaut, findet sich eine schier unendliche Liste an Preisen, die der 18-Jährige schon einheimsen konnte. Gut hundert Taler muss man investieren, bekommt hierfür aber einen echten Gentleman aus Schottlands nördlichster Destille.

Wertungen vorzunehmen oder Ranglisten aufzustellen fällt meist nicht ganz einfach, so auch in dieser Verkostungsreihe. Unterm Strich konnten alle vier Single Malts überzeugen, wobei der Auchentoshan und der Highland Park einen besonders guten Eindruck hinterlassen haben.